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o.T. (Projektraum/Plattform)    
Kunst im öffentlichen Raum – Plattform
2013/2016

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Gemeinsam mit Eric Kläring hat Heimo Zobernig im Jahr 2013 einen ca. 12 m² großen Projektraum im Innenhof des Kunsthauses Graz als Struktur, die gleichzeitig Skulptur, Architektur und Ausstellungsraum ist, realisiert. Reduziert auf die Bodenplatte, die nun ihre räumliche Hülle abgestreift hat, bleibt als Konzentrat eine Arbeit, die nicht nur das alte Thema von Sockel und Skulptur neu auslotet, sondern ihr in seiner Ausformulierung auch neues Potential verleiht. Entwickelt als autonomes Kunstwerk im Skulpturenpark eröffnet sie gleichzeitig neue Möglichkeiten, indem sie als wandloser offener Projektraum von anderen Künstler/innen genutzt werden kann. Innerhalb dieser Ambivalenz und Erweiterung des Skulpturenbegriffs sind die Studierenden der textuellen Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien, die in diesem Jahr als Artists in Residence zu Gast sind, für eine erste Phase eingeladen, eigenständige und ineinander greifende Arbeiten für diesen Raum zu kreieren.

/ Elisabeth Fiedler

 

o.T. (out of stock)
Display – Destination Wien 2015
2015

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Die Ausstellungsarchitektur von Eric Kläring im Erdgeschoß hat sich als Zusammenspiel aus den räumlichen Bedingungen und Bestandsmaterialien der Kunsthalle Wien entwickelt. Jedes Material – Sockel, Holzwerkstoffplatten, Röhren, Teppichboden – wird nach eigenen Prinzipien eingesetzt, um je eine spezifische Raumsituation zu schaffen. Im Mittelteil des Ausstellungsraums definieren deckenhohe Stangen eine klare räumliche Ordnung, die aber aufgrund der flexibel anpassbaren Holzplatten formal und konstruktiv offen bleibt. Das modulare Display schafft performative Momente bei der Positionierung der ausgestellten Kunstwerke und verwehrt sich dabei einer räumlichen Hierarchisierung. Im hinteren Teil der Halle bilden auf Sitzbänke gestapelte Sockel eine Kulisse, die sowohl als skulpturales Objekt für sich steht als auch eine Kabinettsituation dahinter schafft. Ein weiterer Raum im Raum befindet sich im Seitenbereich der Halle. Mittels Projektionsflächen wurde dort eine zweite Decke abgehängt. Ein Teppichstreifen, der sich über die ganze Breitedes Ausstellungsraums erstreckt, markiert als Schwelle den Bereich von Destination Wien 2015. Die modulare Architektur bildet trotz oder gerade aufgrund der heterogenen Einzelteile ein synergetisches Ganzes und steht in einem
ständigen Dialog zu den Werken.

/ Juliane Bischoff / Vanessa Joan Müller Kunsthalle Wien

 

TEXIT
former bellstreet project space (Publikation)
2010

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Ein Schaufenster in der Glockengasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk nach außen gestülpt. Eric Kläring und Simon Iurino gehen von einer baulichen Gegebenheit wie dieser aus, um mit ihrer (B)austellung eine Dynamik von Konstruktion und Dekonstruktion in Gang zu setzen. Bauliche Elemente, wie Spiegel oder Wandpaneele  wurden in dem ehemaligen Geschäftslokal abgebaut, um im selben Raum an anderen Stellen, in anderen Zusammenhängen, wieder als konstruktive, raumbildende Elemente eingesetzt zu werden. Mit TEXIT setzen Eric Kläring und Simon Iurino die lineare Form des Bauens – nach der Neues auf Altes folgt – außer Kraft. Sie versuchen also zu beweisen, dass die beweisenden Bedeutungen das zu Beweisende bereits in sich tragen. Ein circulus vitiosus der Raumelemente bricht nicht nur die Logik der Konstruktion, sondern auch die der Rezeption. Die auf diese Weise geänderte Leserichtung nimmt der Titel und nicht zuletzt dieses Buch auf, indem Anfang und Ende in einer Endlosschlaufe verstrickt sind.

/ Eva Maria Stadler

 

Empfindung. In der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen
Ausstellungsdisplay –  Belvedere / Augarten Contemporary (Publikation)
2008

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Über eine Schwelle betritt man den Augarten Contemporary. Quer ausgerichtete Platten strukturieren den Ausstellungsraum. Eric Kläring geht in dem Display, das er für die Ausstellung entwirft, von einer Störung der Bewegung aus. „Was man nicht erfliegen kann, muss man erhinken“, betitelt Jean-François Lyotard ein Gespräch mit Alain Pomarède: „Am Hinken wollte ich zeigen, dass es etwas ziemlich Verrücktes an sich hat, was in Wirklichkeit die Weisheit selber ist.“ Lyotard bezeichnet das Hinken als einen Ausdruck des Misstrauens, des Auslotens
zwischen Horizontalität und Vertikalität, während das Fliegen Gewissheit vermitteln würde. Diese Unterscheidung von ‚Erfliegen und Erhinken‘ trifft Sigmund Freud in Jenseits des Lustprinzips, um die Überzeugtheit bzw. den Zweifel am Raum zu beschreiben. Der Zweifel wird für Kläring produktiv, wenn er den Perspektivwechsel von der Präsentation der Ausstellungsobjekte auf die Ebene der Projektion von Bild und Ton verräumlicht. Mit den Projektionsmöbeln, wie ich sie bezeichnen möchte, schafft Kläring ein Hybrid, das die Dichotomie von White Cube und Black Box aufzuheben scheint. Stellt der White Cube immer noch das wichtigste Modell des Ausstellungsraums dar, der aufs Engste mit der Geschichte der Moderne verbunden ist, verweist die Black Box auf den Projektionsraum der Film- und Videokunst. Kläring bezieht die Kuben, die auf den Raumschwellen positioniert sind, auf die Grundstruktur des Ausstellungsraums, deren Längsausrichtung er damit durchbricht, und behandelt sie dabei wie Ausstellungsobjekte. Mit grauem und gelbem Stoff überzogen, sind sie Skulpturen auf Sockeln und zugleich Displays, die Hindernisse darstellen und die Bewegung der Ausstellungsbesucher(innen) rhythmisieren, ihr eine Dynamik verleihen. Die Zwischenräume werden zu Pausen, zu Leerstellen und Verdichtungen gleichermaßen. Die Projektionsmöbel beschränken sich auf die kinematografische Leinwandprojektion. Durch den Verzicht auf Bildschirme verlagert Kläring die Sehmaschine auf einen begehbaren guckkastenartigen Raum. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass es sich um Sehräume für ein oder zwei Personen handelt, die Betrachter(innen) setzen sich so bewusst ins Verhältnis zu Bildquelle, Projektions- und Ausstellungsraum.

/ Eva Maria Stadler